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Presseartikel
04.05.2011, 20:00 Uhr
 
Das Frühlingsinterview

Die Eifelzeitung heute im Gespräch mit Christiane Horsch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron

Sie bezeichnet sich selbst als „Frau mit Sendungsbewusstsein“. Das hat Christiane Horsch besonders in den vergangenen beiden Jahren dringend gebraucht. Denn ohne Sendungsbewusstsein wäre die Fusion der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron, wo sie im April 2007 als Bürgermeisterin begann, wohl nicht gelungen. Und dass sie gelungen ist, muss man der 49-Jährigen neidlos zugestehen.

Wo alle anderen sich querstellen, hat sie kreativ, konstruktiv und vor allem: kommunikativ daran mitgearbeitet, die kleine VG an der Mosel auf dem Weg in die Auflösung zu begleiten. Außer Zweifel steht für Christiane Horsch, dass dies die beste Lösung war. „Verbandsgemeinden in der Größenordnung von Neumagen-Dhron sind auf Dauer nicht wirtschaftlich überlebensfähig.“ Verwaltung sei kein Selbstzweck, sondern sollte „so wenig wie möglich die Bürger belasten.“ 

Die Entscheidung, nicht auf eine von der Landesregierung zwangsweise verordnete Fusion zu warten, sondern die notwendigen Schritte freiwillig zu gehen, traf sie nicht allein. Nach bester demokratischer Manier wurden die Bürger befragt. Das Votum war deutlich: 98 Prozent der Neumagen-Dhroner sahen die Dinge genauso wie Christiane Horsch. Wer rechnen kann, komme zum selben Ergebnis. Demografischer Wandel, wenig Nachwuchs und immer länger lebende Senioren, immer weniger Geld in den öffentlichen Kassen, steigende Gebühren, Beiträge und Umlagen wohin das Auge schaut: „Dieses Szenario haben wir für unsere Verbandsgemeinde ganz nüchtern und sachlich ermittelt und analysiert. Das Ergebnis einer freiwilligen Fusion wird daher von mir voll unterstützt, auch wenn es damals viele Kritiker gab.“ 

Die sind nach Abstimmungen aller betroffenen Kommunen verstummt. Es war eine anstrengende und zweitaufwändige Aufgabe: Drei Verbandsgemeinderäte, 40 Ortsgemeinderäte und zwei Städte beschlossen das umfangreiche Vertragswerk zur Fusion am 1. Januar 2012. Trittenheim geht in die VG Schweich, Minheim, Piesport und Neumagen-Dhron nach Bernkastel-Kues. Dass Horsch dadurch ihren Job als Bürgermeisterin verliert, schreckt sie nicht im Geringsten. Während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn hat sie Beweglichkeit, Lust auf Neuland, Freude an der Arbeit und Geschick im Umgang mit Menschen bewiesen.

„Herausforderung“ statt „Problem“

Dass sie am Dienstagabend bei der Mitgliederversammlung der CDU in Schweich (leider erst nach Redaktionsschluss) als Kandidatin für die dortige Bürgermeisterwahl nominiert wird, ist sehr wahrscheinlich. Beeindruckende Referenzen wirft die gebürtige Triererin in den Ring. Nicht erst die Transparenz und Bürgernähe, mit der der Fusionsprozess abgelaufen ist, beweisen, wie ernst Christiane Horsch die – zuzeiten recht anstrengende - Demokratie nimmt. 

Begonnen hatte sie, die einst das Jurastudium wählte, weil sie das elterliche Bauunternehmen zu übernehmen gedachte, nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen beim Rechtsamt der Stadt Trier. Als allein Erziehende konnte sie im Öffentlichen Dienst Erziehungsaufgaben und berufliche Pflichten miteinander vereinbaren. Sobald die Tochter ganztags den Kindergarten besuchte, arbeitete sie voll. „Die Tätigkeit hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht, weil ich die Stadt Trier in allen juristischen Angelegenheiten beraten und vertreten konnte.“ Schon dort mochte sie es, vielen Menschen Steine aus dem Weg zu räumen und ein Problem lieber „Herausforderung“ zu nennen. 

Als Kanzlerin der neugegründeten Fachhochschule Trier ging es 1997 weiter. Hier dürfte die Gestaltungskraft der Frau Horsch Fahrt aufgenommen haben. Die FH mit den Außen-standorten Umweltcampus Birkenfeld und Idar-Oberstein wurde gerade selbstständig, ein spannendes Unterfangen. „Als Kanzlerin einer Hochschule ist man Verwaltungschefin und leitet die Hochschule nach innen. In dieser Zeit wurde eine selbstständige Hochschulverwaltung aufgebaut und der Umbau der Kasernen in Birkenfeld zum Umweltcampus realisiert.“

Zwischenstation Wirtschaftsdezernat

Nach nur zwei Jahren schlug ihr Christoph Böhr als CDU-Fraktionsvorsitzender sowohl im Trierer Stadtrat als auch in Mainz vor, sich als Wirtschaftsdezernentin der Stadt Trier zu bewerben. „Ich sagte sofort zu, nicht wissend, welche schwierige und zeitintensive Tätigkeit mit dieser Aufgabe verbunden ist.“ Wieder ein Sprung ins kalte Wasser, wieder eine echte Herausforderung. Die erste Frau auf diesem Posten, mit 37 Jahren im Stadtvorstand für Wirtschaft, Sicherheit, Sauberkeit, Liegenschaften und Forsten zuständig - und für 240 Mitarbeiter: Gemeinsam mit anderen, so sagt sie, hat sie viel bewegen können, auch gemeinsam mit den anderen Fraktionen. 

Dieses „gemeinsam mit anderen“ zieht sich durch das Gespräch mit Christiane Horsch gerade so, wie es sich durch ihr Leben zieht. „Wesentliche Dinge kann man sowieso nur bewegen, wenn man sie im Konsens herbeiführt.“ Das gilt im Kleinen wie im Großen, das gilt auch für ihren Führungsstil. Kooperativ, kommunikativ und eher unaufgeregt, weil die wirklichen Katastrophen nicht im Beruf, sondern im Privatleben stattfinden. Was einst als typisch weiblicher Führungsstil belächelt wurde, ist Kennzeichen moderner Unternehmenspolitik auf dem gesamten Globus geworden. Horsch beherrscht ihn.

Angstfrei unterwegs

Daher blieb sie angstfrei, als der Trierer Stadtrat 2006 das Wirtschaftsdezernat abschaffte. „Ich hätte zwar die Möglichkeit gehabt, mich auf das freiwerdende Baudezernat zu bewerben, allerdings wurde ein Baudezernent mit Architekturstudium bevorzugt.“ Als Neumagen-Dhron nach Hans Werner Schmitt einen neuen Verbandsbürgermeister suchte, stellte sie sich zur Wahl. Mit 60,1 Prozent setzte sie sich im ersten Wahlgang gegen sechs Mitbewerber durch – und hat seitdem das von den Wählern in sie gesteckte Vertrauen honoriert. 

Neben der mit Bravour gemeisterten freiwilligen Fusion der Mini-Verbandsgemeinde brachte eine, wie Christiane Horsch es nennt, „ausgezeichnete Verwaltungsmannschaft“ zahlreiche notwendige Maßnahmen auf den Weg. Investitionen wurden beim Wasser- und Abwasser und im Straßenbau begonnen, in zwei Ortsgemeinden die wiederkehrenden Beiträge eingeführt, die energetische Sanierung der Schulen angefasst. Als „herzerfrischend unpolitisch und von dem Willen geprägt, gemeinsam Maßnahmen auf den Weg zu bringen“, kennzeichnet sie die Arbeit des VG-Rates. Viel sei gehandelt, wenig zerredet und noch weniger gestritten worden, stets partnerschaftlich, freundschaftlich und friedlich sei der Umgang miteinander.

Angesprochen auf zukünftige Herausforderungen der Kommunen sprudelt es aus ihr heraus. Immer mehr Pflegebedürftige, wenig Geld und Spielraum, Dörfer, in denen es keine Lebensmittel mehr zu kaufen gibt, dazu die Spritpreise und auf dem Land ein denkbar schlechter öffentlicher Personennahverkehr: „Diese Herausforderungen können nur gemeinsam angepackt werden.“ Da ist es wieder, das Zauberwort. Warum nur gemeinsam? „Der Ausbau von regenerativen Energien und intelligenten, sparsamen Mobilitätskonzepten stellt eine der größten Herausforderungen in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz dar.“ Solche Aufgaben können nur interkommunal und Landkreis übergreifend bewältigt werden.

Transparenter Informationsfluss von Nöten

Nicht ohne einen stetigen und transparenten Informationsfluss vom Bürger in die Entscheidungsgremien und zurück. Denn auf Bürgerbeteiligung, zum Beispiel in Form von  ehrenamtlichen Aufgaben, könne die Gesellschaft nicht mehr verzichten. Wenn Frau und Mann arbeiten, arbeiten müssen, und genau diese Bevölkerungsschicht auch noch die öffentlichen Kassen füllen muss, wo bleibt da der Raum und die Zeit für die Betreuung pflegebedürftiger Eltern und Großeltern?

„Wir müssen diesen Aufgaben, egal ob auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, vielmehr Aufmerksamkeit widmen“, sagt sie. Und dass sie niemanden kennt, der seinen Lebensabend gerne in einem Pflegeheim verbringen würde. „Da ich Sendungsbewusstsein habe, mit dem Mut zu Veränderungen, würde ich gerne an diesen Herausforderungen als `kleines Rädchen im Getriebe´ mitarbeiten.“

Kraft schöpft die Bürgermeisterin durch Bewegung an der frischen Luft. Dafür steht sie selbst an freien Tagen gerne früh auf. „Bewegung tut mir gut und macht den Kopf frei.“ Am Strand herumzuliegen ist ihre Sache nicht. „Meistens tut mir der Rücken weh und ich verspüre den Drang, mich bewegen zu müssen.“ Und dann, man sieht es der Figur nicht an, liebt sie es, nach Feierabend am heimischen Herd zu stehen, zu schnippeln und nach all dem Stress eigenhändig ein leckeres Abendessen zuzubereiten. Ihre Lieblingsbücher sind, wer hätte das gedacht, Kochbücher! „Kochen und essen sind wunderbare Beschäftigungen, die vor allem Muße erfordern.“ Soviel Zeit muss sein – und soviel Zeit ist da.

Quelle: Eifelzeitung